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Zur Geschichte der Ziegelhütte
Der erste Kalkbrennofen der Ziegelei Appenzell ist um etwa 1500
entstanden, 1559 wird er erstmals urkundlich erwähnt. Der Ofen
gehörte dem Staat, denn das Lehmgraben und Kalksteinsammeln
war ein Monopol der Obrigkeit und durfte nur von der Öffentlichkeit
betrieben werden.
Ein Grossbrand legte am 18. März 1560 das ganze Dorf Appenzell
in Schutt und Asche. Jetzt lernte man den besonderen Wert einer
harten Bedachung richtig schätzen. Weil sich die damaligen
Baumeister nach dem verheerenden Dorfbrand verpflichtet hatten,
die Leitung der Aufbauarbeiten beim Wiederaufbau ohne Entschädigung
zu übernehmen, stand ihnen die Ziegelhütte unentgeltlich zur Verfügung.
1566, sechs Jahre nach dem Brand Appenzells, wurde die Ziegelhütte
mit dem heute noch stehenden Brennofen neu erstellt.
Am 18. Februar 1606 beschloss der sogenannte Wochenrat, dass man
die Ziegelhütte, welche ein Sturm umgeworfen hatte, wieder
"buwen solle, dann man allhier ohne Ziegl nit langen sin khönne".
Auf einen Ratsbeschluss von 1638 hin musste der Landesbauherr von
Appenzell die Ziegelhütte instandstellen. Sie befand sich damals
immer noch im Eigentum des Landes Appenzell, wurde zur Bewirtschaftung
aber einem Ziegler übergeben. Vom 22. Juni 1836 bis zum 11.
November 1837 verpachtete die "Hohe Regierung" die Ziegelhütte.
Am 3. Juni 1850 beschloss der "grosse zweifache Landrat",
dass die sich im Staatsbesitz befindliche Ziegelhütte nur noch
anlässlich einer öffentlichen Versteigerung verpachtet
werden dürfe. Darauf übernahm sie vom 1. November 1850
bis 21. April 1857 der Ziegler Jakob Signer. Weil die Ziegelhütte
aber auf Boden des Quartiers Ried stand, wandten sich am 2. Dezember
1856 die Verantwortlichen der Genossenschaft Ried an den Wochenrat,
um sich gegen den Verkauf von Grund und Boden zu wehren, welcher
laut Stiftung Armeneigentum sei, das in seinem ganzen Umfang und
Inhalt in allen seinen Teilen unantastbar und unveräusserlich
ist. Danach wurde die Ziegelbrennerei samt allen dazugehörenden
Gebäulichkeiten und Wohnhaus, jedoch ohne eigentümlichen
Grund und Boden, um den Anschlagpreis von 1600 Gulden und 20 Franken
Trinkgeld an Johann Anton Schmid verkauft und ging somit erstmals
in Privatbesitz über.
Acht Jahre später, am 29. März 1865, versteigerte Schmid die Ziegelhütte.
Ein häufiger Handwechsel setzte ein: 1966 wurde sie gleich viermal
weiterverkauft. Am 6. Februar 1868 erwarb Schuster Johann Anton
Hersche die Ziegelhütte und betrieb sie immerhin vier Jahre lang.
1872 wurde sie wiederum zweimal weiterverkauft. Offenbar gelang
es den ersten selbständigen Zieglern in Appenzell nicht, mit der
Ziegelfabrikation auf einen grünen Zweig zu kommen.
Mit Gottlieb Waibel übernahm am 27. Februar 1873 schliesslich
ein sehr erfahrener Ziegler die Ziegelhütte. Am 5. Oktober
1875 ging sie an Valentin Gschwend, Hafnermeister von Altstätten,
über. Am 15. April 1881 überliess Gschwend die Ziegelhütte
seinem Schwiegersohn Heinrich Buschauer, welcher schon vor seiner
Heirat mit der einzigen Tochter seines Arbeitgebers viele Jahre
lang in der Ziegelei gearbeitet hatte. Er baute die Ziegelhütte
aus und brachte den Betrieb voran. Am 23. Dezember 1922 ging die
Ziegelhütte an seinen Sohn Karl Heinrich Buschauer über.
Die Ziegelhütte befand sich jetzt schon in der III. Generation
derselben Familie. Karl Buschauer führte die Ziegelei weiter
bis zu deren Stillegung im September 1957.
Durch die Inbetriebnahme der neuen Ziegelei Istighofen der
damals modernsten Ziegelei Europas wurden die Inhaber der
meisten Kleinziegeleien gezwungen, ihre Betriebe zu modernisieren.
Das bedeutete, dass die Ziegeleien, die ihre Produkte bisher lufttrockneten,
auf elektrisches Trocknen und Brennen mittels Elektrokammern umstellten
und somit den Ganzjahresbetrieb anstelle des Sommerbetriebes einführen
mussten. Aus diesen, wie auch aus gesundheitlichen Gründen,
entschloss sich der letzte Betreiber der Ziegelei Appenzell, die
Maschinen im Frühjahr 1958 nicht mehr anlaufen zu lassen. Bis
ins Jahr 1981 wurde hier nur noch der Wiederverkauf als Zwischenhandel
betrieben.
Danach stand das grosse Gebäude ohne zweckgebundene Funktion
da und sollte eigentlich abgerissen werden. Um aber das historische
Bauwerk, das älteste Industriedenkmal Appenzells, nach Möglichkeit
zu erhalten, verkauften die Erben die Ziegelhütte zur Weiterverwendung
als Kulturzentrum. 1999 wurde es der Stiftung
Museum Carl Liner Vater und Sohn (Stiftung Liner Appenzell) gewidmet und diese
baute es zur heutigen, multifunktionalen Kunsthalle Ziegelhütte
um.
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